Montag, 23. Februar 2026

Zustandsorientierte Prüfung und Wartung

Klassische Wartungsmodelle in der Tür-, Tor- und Verladetechnik haben feste Austauschintervalle: Verschleißteil „x“ wird jedes Jahr ausgetauscht – ohne Blick auf seinen tatsächlichen Zustand. Der Tür- und Torhersteller Hörmann verfolgt einen anderen Weg. Er setzt auf zustandsorientierte Prüfung und Wartung. Was sind die Vorteile dieses Konzepts – und wie sorgt es für Betriebssicherheit?

Jürgen Kanwischer leitet die Hörmann Service Zentrale. Er ist der Chef von mehreren hundert festangestellten Servicetechnikern, die deutschlandweit im Einsatz sind. Sie prüfen, warten und reparieren Tür-, Tor- und Verladetechnik – herstellerübergreifend. Das Service-Prinzip von Hörmann beschreibt er so: „Ersatzteile werden nur dann ausgetauscht, wenn es die Situation oder ihr Zustand erfordert. Nichts geschieht auf Verdacht oder aufgrund starrer, im Vorhinein festgelegter Austauschintervalle.“ Das spare Kosten und vermeide unnötige Eingriffe in funktionierende Systeme. Die zustandsorientierte Wartung sei kein neues Prinzip, so Kanwischer. Doch die konsequente Umsetzung, die digitale Unterstützung und die enge Verknüpfung mit rechtlichen Prüfpflichten machten diesen Ansatz von Hörmann einzigartig.

Standardisierte Bewertung und digitale Unterstützung

Doch wie stellt Hörmann dabei sicher, dass die Betriebssicherheit jederzeit gewährleistet ist? „Unsere Servicetechniker sind besonders geschult und wissen genau, wann ein Austausch notwendig ist,“ so Kanwischer. Die Zustandsbewertung erfolgt anhand eines strukturierten Leitfadens mit präzisen Checklisten. Digitale Tools wie die KI-gestützte Wissensdatenbank „Dr. Berry“ – benannt nach dem Berry-Schwingtor, das in den 1950er Jahren den Grundstein für den Erfolg von Hörmann gelegt hatte – unterstützen bei der Diagnose. „Das Tool hilft uns, die Qualität und Geschwindigkeit unserer Serviceeinsätze weiter zu verbessern“, sagt Kanwischer. In kniffligen Fällen können die Techniker auch Video-Support ordern. Alle gängigen Ersatz- und Verschleißteile führen sie im Servicefahrzeug mit. So lassen sich nahezu alle Instandsetzungen beim ersten Einsatz abschließen. Das reduziert Anfahrten, spart Kosten und schont die Umwelt. Jeder Servicetechniker absolviert bis zu fünf Schulungen pro Jahr in der Hörmann Akademie. „Wir arbeiten ausschließlich mit eigenen Leuten“, sagt Kanwischer. „Im Schnitt sind unsere Techniker seit über acht Jahren bei Hörmann tätig – ein Zeichen von Kontinuität, Kompetenz und Verlässlichkeit.“

Vorausschauende Instandhaltung durch Datenanalyse

Alle Wartungsdaten erfasst das Unternehmen systematisch. Die Auswertung macht Muster und Verschleißtrends sichtbar. „Diese Erkenntnisse fließen dann in unsere vorausschauende Instandhaltung ein. Wenn eine Toranlage wiederholt ausfällt, analysieren wir die Ursachen und leiten daraus konkrete Maßnahmen ab. Bei Fehlbedienungen kann das eine Einweisung des Bedienpersonals sein, bei hohen Lastwechseln eine Anpassung des Wartungsintervalls und bei verändertem Nutzungsverhalten auch der Austausch der Anlage“, erläutert Kanwischer.

Zentrales Element des Konzepts ist die transparente Dokumentation: Prüfberichte, Zustandsbewertungen und Handlungsempfehlungen bereitet Hörmann individuell auf. „Unsere Kunden erhalten eine klare Einschätzung – inklusive Foto- und Videodokumentation – und können jederzeit nachvollziehen, warum wir welche Maßnahmen empfehlen“, betont Kanwischer. Damit trage der Hörmann Service nachweislich zur Senkung der Total Costs of Ownership (TCO) bei.

Und wie steht es mit der Einhaltung gesetzlicher Prüfpflichten? „Dafür sorgen automatische Erinnerungen. Unsere Prüfungen erfolgen nach den relevanten Normen und sind revisions- und rechtssicher dokumentiert“, so Kanwischer. Seine persönliche Einschätzung: „Viele Betreiber unterschätzen den wirtschaftlichen Nutzen regelmäßiger Wartung. Dabei vermeidet sie Stillstände, erhöht die Betriebssicherheit und reduziert langfristig die Instandhaltungskosten. Besonders dann, wenn sie zustandsorientiert erfolgt.“

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