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Test: Kann ich auf der ISH etwas lernen?

25. Februar 2013 – 12:12
ISH 2013

Bild: Messe Frankfurt Exhibition GmbH/ Jochen Günther

Die ISH zeigt vom 12. bis zum 16. März 2013 in Frankfurt am Main Sanitär-, Heiz- und Klimatechnik in großem Umfang. Ob Sie ein Besuch fachlich weiterbringt, lässt sich mit unserem Test ermitteln. Prüfen Sie einfach unsere sechs technischen Aussagen.

 

 

 

1)    „Ein Luftwechsel über n50 soll vermieden werden, um Zugluft-Erscheinungen zu vermeiden.“

2)    „Relative Luftfeuchte von 20 Prozent wird von 20 Prozent der Nutzer als unangenehm empfunden.“

3)    „Kälteleistung + Strombedarf des Verdichters ergeben die Betriebskosten der Kälteerzeugung.“

4)    „Weitere Maßnahmen sind fällig, sobald 3 Liter Leitungswasser mehr als 1.000 Legionellen enthalten.“

5)    „Eine Zirkulationsleitung muss mindestens 55 Stunden pro Monat in Betrieb sein.“

6)    „Aus einer Vollentsalzung gewonnenes Substrat darf nur auf Privatgelände als Abtausalz genutzt werden.“

Auswertung: Wirklich korrekt ist keine Aussage unseres Spaß-Tests. Wir haben die physikalischen Zusammenhänge hinterhältig verdreht, nur damit jeder, der darauf reingefallen ist, mit jedem „Ja“ einen Grund mehr hat, die ISH zu besuchen.

1) Der hydraulische Abgleich ist zwar vorgeschrieben – u.a. durch EnEV, DIN 4701/10 und VOB/C – DIN 18380. Es geht aber nicht um den Wasserverbrauch sondern um den möglichst geringen Aufwand an Energie zur Wärmeverteilung. Das klappt im Pumpenwarmwassernetz nur, wenn jeder Heizkreis/Heizkörper tatsächlich nur mit seinem Nennvolumenstrom beaufschlagt wird. Das Heizsystem sollte dicht sein und nur einmalig beim Befüllen Wasser verbrauchen.

2) Da die Umwälzpumpe von der Temperaturveränderung nichts weiß, pumpt sie mit unveränderter Leistung weiter. Zudem stünde die durch manuelle Drehzahlreduzierung der Pumpe erreichte Stromeinsparung in keinem Verhältnis zu den höheren Wärmeverlusten in der Heizungsanlage.

3) Elektrisch angetriebene Wärmepumpen sind dann umweltfreundlich, wenn die aus der Umwelt gewonnene Energie die Verluste der Stromerzeugung überkompensiert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle fördert deshalb nur Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einem COP größer 3,1. COP steht für „coefficient of performance“, was „Leistungszahl“ bedeutet und nicht mit einem Wirkungsgrad (der stets kleiner 1 ist) verwechselt werden darf.

4) Die Luftwechselrate „n50“ ist ein Maß für die Luftdichtheit eines Gebäudes. Diese Zahl ergibt sich aus dem Luftvolumenstrom der sich pro Stunde einstellt, wenn eine Druckdifferenz von 50 Pa aufrechterhalten wird, dividiert durch das Gebäudevolumen. Für normale Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen wird eine Luftwechselrate von n50 ≤ 3, von solchen mit Raumlufttechnik-Anlagen n50 ≤ 1,5 verlangt. Bitte nicht verwechseln mit einer Luftbewegung im Raum von 0,2 m/s ab der Zugerscheinungen auftreten können.

5) Bei der relativen Luftfeuchte ist die in der Luft vorhandene Feuchte ins Verhältnis gesetzt zu der Menge an Wasser, die Luft bei dieser Temperatur maximal aufnehmen könnte. Luft mit 20 °C hat 20 Prozent relative Feuchte, wenn ca. 2,9 g Wasser in jedem kg Luft gelöst sind. Ca. 14,5 g Wasser passen in ein kg Luft mit 20 °C und 100 Prozent Luftfeuchte. Wie viele Nutzer mit 20 Prozent Luftfeuchte unzufrieden sind, ist ein anderes Thema. Mindestens 30 Prozent sollten es schon sein, sagen Lüftungstechiker.

6) Die Kälteleistung geteilt durch die elektrische Leistungsaufnahme des Verdichters ergibt die Leistungszahl eines Kompressionskälteprozesses. Die nennt man dort „energy efficiency ratio“ (EER).Durchschnittswerte von Raumklimageräten liegen bei einem EER um die 2,5.

7) Die Trinkwasserverordnung schreibt Probeentnahmen für Großanlagen vor. Groß sind Anlagen mit mehr als 3 Liter Wasserinhalt im längsten Leitungsstrang oder einem Speicherinhalt von  mehr als 400 Litern. Als „technischer Maßnahmewert“ gelten 100 KBE pro 100 ml. KBE steht für kolloniebildende Einheiten. Die erscheinen im Labor beim Ausbrüten in der Petrischale und lassen sich zählen. Einzelne Keime zu suchen, wäre ein aberwitziges Unterfangen.

8) Zirkulationsleitungen und -pumpen sowie selbstregelnde Begleitheizungen müssen so dimensioniert und betrieben werden, dass die Temperatur des zirkulierenden Wassers um nicht mehr als 5 K gegenüber der Warmwasseraustrittstemperatur am Speicher unterschritten wird. Und die soll in Großanlagen über 60 °C liegen. Zeitsteuerungen für Zirkulationspumpen und selbstregelnde Begleitheizungen dürfen die Zirkulation nicht länger als 8 Stunden täglich unterbrechen.

9) Unter Vollentsalzung versteht man die vollständige Entfernung der im Wasser gelösten Ionenverbindungen. Der Wasseraufbereitungs-Spezialist Grünbeck schreibt: „Der Ionenaustausch ist ein physikalisch-chemischer Vorgang, bei dem die Fähigkeit eines Stoffes (Austauscherharz) ausgenutzt wird, bestimmte Ionen (Kationen (+) oder Anionen (-)) aus einer Flüssigkeit aufzunehmen und dafür eine äquivalente Menge anderer gleichsinnig geladener Ionen abzugeben. Die austausch-aktiven Gruppen befinden sich an einer Matrix und bestehen aus fest am Harz befindlichen Ankergruppen (Festionen) und frei beweglichen entgegengesetzt geladenen Gegenionen die gegen die aus der Lösung aufzunehmender Ionen ausgetauscht werden können. Heutzutage werden fast ausschließlich Kunstharze aus Polystyrol- oder Acrylharzbasis eingesetzt.
Man unterscheidet Kationenaustauscher (stark sauer oder schwach sauer), Anionenaustauscher (schwach basisch oder stark basisch) und Mischbettaustauscher (beide Harztypen in entsprechender Mischung in einem Behälter). Der Ionenaustausch ist ein reversibler Vorgang. Sind Ionenaustauscher beladen (erschöpft), müssen sie regeneriert werden. Die Regeneration kann bei Kationenaustauschern mit Salzsäure, Schwefelsäure oder Kochsalz durchgeführt werden. Anionenaustauscher werden mit Natronlauge oder Kochsalz regeneriert. Bei der Regeneration laufen exakt die umgekehrten Vorgänge wie bei der Beladung ab. Die verfahrenstechnischen Anwendungen erfolgen als Teilentsalzung, Vollentsalzung und Sonderverfahren.“ Es fällt bei der Vollentsalzung also kein Salz an. Und das Ionentauscher-Harz hat auf der Straße nichts verloren.

Lesen Sie den kompletten Beitrag zur ISH in der März-Ausgabe 2013 von „Der Facility Manager“.

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