Drohender Tarifstreit im Gebäudereiniger-Handwerk

Die erste Tarifverhandlung für die rund 700.000 Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk ist am 9. September ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Fronten zwischen dem Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) verhärten sich.

Der derzeitige Tarifvertrag läuft zum 31. Dezember 2026 aus. Die IG Bau fordert zwei Euro mehr pro Stunde für alle Lohngruppen bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Damit würde der Branchen-Mindestlohn in der Lohngruppe 1 von derzeit 15 auf 17 Euro steigen. Glas- und Fassadenreiniger in der Lohngruppe 6 würden künftig 20,40 Euro statt 18,40 Euro pro Stunde erhalten, erklärte die Gewerkschaft.

Der BIV, der für die Unternehmensseite verhandelt, hatte diese Forderung bereits im Vorfeld zurückgewiesen. „Dennoch brachte die Gewerkschaft bei der heutigen ersten Tarifrunde in Düsseldorf ihre 13-Prozent-Forderung erneut auf den Tisch“, sagte der Vorsitzende der BIV-Tarifkommission Christian Kloevekorn. Er ergänzte: „Was im Juni galt, gilt auch im September. Deshalb war die heutige Tarifrunde rasch beendet. Unsererseits herrscht Unverständnis über die starre Haltung der IG Bau und darüber, wie konsequent sie die wirtschaftliche Realität ausblendet.“ Die Kunden seien nicht bereit, entsprechend höhere Preise für Reinigungsleistungen zu zahlen. Zudem drohten Belastungen durch die Politik: Allein bei den Minijobs könnten die geplanten Reformen der Bundesregierung die Lohnnebenkosten für die Betriebe um mehr als 30 Prozent nach oben treiben, mahnt Kloevekorn. Vor diesem Hintergrund erwarte der BIV von der IG Bau in der nächsten Verhandlungsrunde eine „erste realistische Gesprächsgrundlage. Denn wer die wirtschaftliche Lage ignoriert, erreicht nur eins: weniger Spielraum für Beschäftigung und Investitionen“.

Forderung nach 13 Prozent mehr Lohn

Dem widersprach Ulrike Laux, im Vorstand der IG Bau für die Gebäudereinigung zuständig: „Die Arbeitgeber verstecken sich hinter ihren Kunden. Sie sagen, unsere Forderung sei nicht finanzierbar, weil die Auftraggeber höhere Preise nicht bezahlen würden. Aber damit benennen sie das eigentliche Problem selbst: Reinigungsarbeit wird zu billig verkauft.“ Für die Gewerkschaft stehe deshalb nicht allein die Höhe des Tarifabschlusses zur Debatte, sondern grundsätzlich die Wertschätzung der Arbeit in der Branche. „Wer gute Arbeit will, muss bereit sein, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen“, betonte Laux. Auch die wirtschaftliche Entwicklung vieler Facility-Service-Unternehmen rechtfertigt aus Sicht der IG Bau keine pauschale Absage an höhere Löhne. Vielmehr beobachte man in den Betrieben eine hohe Fluktuation, die Situation sei von niedrigen Stundenlöhnen sowie hohem Zeit- und Leistungsdruck geprägt. „Die Branche braucht die Beschäftigten. Aber Respekt zeigt sich nicht in Sonntagsreden, sondern auf dem Lohnzettel“, betonte Laux. Die IG Bau halte deshalb an ihrer Forderung fest. Die zweite Tarifrunde soll am 22. Oktober in Köln stattfinden.

NEUESTE BEITRÄGE